Den Labrador trainieren und richtig erziehen


Am liebsten würde ich in unserem Haus alles anknabbern, mit meiner Familie vom Tisch essen und unsere Besucher mit einem freudigen Hallo begrüßen. Aber selbstverständlich gefällt das meinen Wohnungsgenossen gar nicht! Es wäre auch wirklich dumm, wenn sie jede Woche neue Teppiche kaufen müssten, weil ich mit meinem Pipi das ganze Haus als mein Revier markiert habe oder der Briefträger es vor lauter Knurren und Bellen nicht mehr wagt, uns Post zu bringen. So sehr ich von den Menschen einen verantwortungsbewussten Umgang erwarte, so kann auch meine Familie von mir ein paar Dinge verlangen. Und da wir Labradors sehr intelligent sind, verstehen wir das bei konsequenter Erziehung auch recht schnell.



Sobald also ein Welpe in Euren Haushalt kommt, solltet Ihr damit anfangen, ihm zu zeigen, was er darf und was verboten ist. Denn jeder junge Hund ist neugierig und möchte am liebsten alles ausprobieren und die ganze Welt entdecken. Zeigt im also bei allem was er tut, ob es in Ordnung ist. Und zwar jedes Mal. Denn wie soll ich bitte verstehen, dass ich nicht aufs Sofa darf, wenn ich manchmal herunter gejagt werde und manchmal dort ausgiebig schmusen darf?

Und natürlich freuen wir uns viel mehr über eine positive Bestärkung als über eine Bestrafung. Mein Herrchen lobt mich immer, wenn ich unseren Nachbarn nicht ankläffe, sondern nur schwanzwedelnd begrüße, sobald dieser am Zaun entlang geht. Meine Familie streichelt und tätschelt mich, wenn ich nicht zu der freundlichen alten Hundedame hinüberlaufe, wenn ich sie sehe, sondern brav stehenbleibe und warte, bis ich das Okay dafür bekomme oder wir gemeinsam hinüber gehen. So lerne ich viel lieber, als wenn ich angeschimpft werde, nur weil ich den Knochen im Blumentopf vergrabe oder belle, wenn es klingelt. Aber auch Rügen muss natürlich manchmal sein, sonst weiß ich ja nicht, dass etwas nicht erlaubt ist.

Welpen und junge Hunde können sich nicht sehr lange konzentrieren. Deshalb dürft Ihr sie beim Lernen nicht überfordern. Bietet ihnen aber trotzdem so viele unterschiedliche Lern-Möglichkeiten wie ihr nur könnt. Denn so schulen wir Hunde uns für das lebenslange Lernen und Üben. Und immer dran denken: Wir möchten direkt an Ort und Stelle für unsere guten Taten gelobt werden. Was hilft es mir, wenn ich es schaffe, bis draußen zu warten, um Pipi zu machen, dann aber erst beim Hineinkommen dafür ein Leckerchen zugeschoben bekomme. Da ich ein schlauer Hund bin, verstehe ich natürlich daraus: Es ist gut, dass ich zurück ins Haus laufe…Wie soll ein Hund verstehen, dass er für etwas gelobt wird, das schon weit zurückliegt? Nur, weil ich Euch hier schreibe, dürft Ihr nicht davon ausgehen, dass jeder Labrador Eure Sprache versteht („Sitz“, „Platz“ und „Hierher“ einmal ausgenommen).

Alle unerwünschten Verhaltensweisen von Welpen können durch eine geeignete Alternative schon früh abgewöhnt werden, denn irgendwie sind unsere Handlungen ja doch meistens sehr berechenbar. Wir verhalten uns in unserer Kindheit schließlich wie sich junge Hunde eben verhalten: Bellen, an Besuchern hochspringen, nach dem Aufwachen Pipi machen, überall hinlaufen, wo es etwas Spannendes zu sehen und zu beschnüffeln gibt. Wenn Ihr uns aber konsequent zeigt, wie es anders geht und uns dabei in der ersten Zeit ständig beobachtet, dann können wir uns schnell gut in den Familienverbund eingliedern.

Wir möchten unsere Umwelt ganz genau kennen lernen und je eher wir damit anfangen, umso besser. Wenn ein kleiner Welpe schon hupende Autos, Katzen und Radfahrer trifft, so reagiert er auch als erwachsenes Tier ruhig und gelassen. Ich bin schon über Wiesen und Erde, über Sand und Asphalt gelaufen. Jedes Mal war es für meine Pfoten ein ganz neues Erlebnis, aber jetzt habe ich mich daran gewöhnt und erschrecke mich nicht über die unterschiedlichen Bodenbeläge. Auch andere Hunde, schreiende Kinder und wilde Kaninchen lasse ich in Ruhe. Denn meine Familie mag es nicht, wenn ich plötzlich davonjage, wie wild an der Leine ziehe oder ein Riesen-Gebrüll veranstalte.

Es gibt einige Dinge, die ich schon als Welpe gelernt habe. Das war gar nicht so schwer, und sowohl meine Familie als auch ich sind damit sehr zufrieden. So bettel ich nicht am Tisch, bleibe kurze Zeit alleine zu Hause, ohne Unsinn zu machen, fahre sehr gerne im Auto und kann schon an der Leine gehen. Ich bin auch stolz darauf, dass ich schon auf verschiedene Kommandos reagiere, wenn mir „Bei Fuß“ auch immer noch etwas schwer fällt..